
Wie das Vogtländische Freilichtmuseum Geschichte lebendig hält
Vischelantes Vogtland
Tradition trifft Zukunft
Wie das Vogtländische Freilichtmuseum Geschichte lebendig hält
Eingebettet zwischen grünen Hügeln und den tannengrünen vogtländischen Wäldern liegt das Vogtländische Freilichtmuseum Landwüst und Eubabrunn.
Wer hierher kommt, kann nicht nur die wunderschöne Aussicht genießen und die Landluft schnuppern, sondern sich auf eine Zeitreise in eine uns längst vergangene Zeit begeben. Das Vogtländische Freilichtmuseum ist etwas Besonderes.
Es lässt das Leben und den Alltag der Menschen aus der Region vor der Industrialisierung lebendig werden.
Das Freilichtmuseum präsentiert sich heute mit zwei Standorten: Während in Landwüst der Fokus auf Ausstellungen und der Museumsgeschichte liegt, widmet sich Eubabrunn der Landwirtschaft und der Museumspädagogik. Unter der Leitung von Beate Neumann steht das Vogtländische Freilichtmuseum vor spannenden Veränderungen. „Wir wollen keine verstaubte Sammlung sein, sondern ein lebendiger Ort der Begegnung“, betont die Museumsleiterin. „Unsere Vision ist es, das Museum noch stärker in der Region zu verankern und gleichzeitig neue Wege in der Museumspädagogik zu gehen.“
Vergangene Zeit hautnah erleben
Ob Wohnstuben, Werkstätten, Ställe, Scheunen oder Remisen: im Freilichtmuseum taucht man ein, in eine andere Zeit – spürt, was die Menschen früher gefühlt haben, und kann sich bildlich vorstellen, wie hart und entbehrungsreich das Leben oft war.
Im Haupthaus in Landwüst zeugen original eingerichtete Räume vom einfachen Leben der Menschen. In Eubabrunn erinnert die niedrige Stalltür neben der Wohnstube daran, dass Mensch und Tier oft unter einem Dach lebten. Die Scheunen beherbergen unter anderem historische landwirtschaftliche Geräte – von der handbetriebenen Dreschmaschine bis zum Pflug – stumme Zeugen harter körperlicher Arbeit.
Auf den eigens angelegten Feldern und Gärten wird die frühe Landwirtschaft vor der industriellen Revolution zum Leben erweckt. Und das Freilichtmuseum begeistert Groß und Klein mit seinen Schafen, Ziegen, Schweinen, Kaninchen, Hühnern und Bienen – dabei sind einige vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen, wie z. B. die Duroc-Schweine.
Das Herz des Museums: Die Dorfgemeinschaft
Ein Museum ist nur so lebendig wie die Menschen, die es mit Leben füllen. Das zeigt sich besonders in Eubabrunn, wo die Dorfgemeinschaft das Herz des Museums bildet. „Ohne unsere Ehrenamtlichen wäre das alles nicht möglich“, erklärt die Museumsleiterin Beate Neumann. Die Verbundenheit der Dorfbewohner mit „ihrem“ Museum geht auf die Anfänge in den 1990er Jahren zurück, als alle beim Aufbau des Standorts Eubabrunn mithalfen. Diese tiefe Verwurzelung spürt man bis heute. Der Förderverein „1. Förderverein Freilichtmuseum Eubabrunn“ unterstützt bei Veranstaltungen, backt unzählige Bleche Kuchen, pflegt den Garten oder streicht Bänke und Tische. „Alles hilft“, wie Ina Skerswetat, stellvertretende Museumsleitung, betont. „Vielen Dank all unseren fleißigen Helfern!“
Das Freilichtmuseum bietet über das gesamte Jahr Veranstaltungen zu fast vergessenem Handwerk an, wie z. B. Vorführungen zum Besenbinden, ab Sommer 2025. Das Wissen des alten Handwerks gilt es jedoch zu bewahren. „Es kann kaum noch jemand klöppeln, beim Schnitzen geht es auch schon los“, berichtet die Museumsleiterin. „Selbst einen Schmied oder Besenbinder findet man nur noch selten.“ Für Spezialarbeiten wie Papierrestaurierung sucht das Museum mittlerweile bis nach Dresden oder Leipzig. „Wir sind immer an Menschen interessiert, die das alte Handwerk noch können und dieses Wissen weitergeben möchten.“ Beate Neumann, Museumsleiterin
Eine weitere Herausforderung, die es immer wieder zu meistern gibt und für die es oft die Kraft der Dorfgemeinschaft, aber auch die Expertise regional ansässiger Firmen benötigt: Ein Gebäude muss umgesetzt werden. Immer dann, wenn das Museum ein neues Gebäude erwerben konnte, dieses aber nicht am passenden Standort steht, wird dieses mit Hand und in kleinteiliger Arbeit Stück für Stück umgesetzt. Fotos und engmaschige Messungen helfen dabei, das Gebäude an der neuen Stelle originalgetreu wieder aufzubauen. Als nächstes Projekt ist die Umsetzung einer Straßenwärterhütte aus Falkenstein in Planung.
Ein Jahr voller Highlights
Ein Besuch im Vogtländischen Freilichtmuseum begeistert immer, doch 2025 bietet das Jahresprogramm ganz besondere Erlebnisse. „Bei uns ist immer was los“, erzählt Beate Neumann. Die Highlights starten ab Ostern mit der neuen Sonderausstellung „Escape – Das geheime Museum“. Besucher lösen Rätsel, erkunden das Gelände und entdecken Geschichte quer durch Dialekte und Lieder aus dem Egerland und Vogtland.
Im Mai folgt „Museum for Future“, eine Ausstellung, die die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele mit historischen Objekten verbindet. „Früher war vieles nachhaltig“, betont die Museumsleiterin. Die Ausstellung soll die Besucher zum Nachdenken anregen.
Das Vogtländische Freilichtmuseum Landwüst und Eubabrunn ist mehr als eine Sammlung alter Gebäude und Gegenstände. Hier wird Geschichte nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt. Wer durch die historischen Räume streift,den Duft von frischem Brot aus dem Holzofen riecht und den Erzählungen der Mitarbeiter lauscht, erlebt vogtländische Geschichte hautnah. v
Ausflugstipps rund um das Museum
- Landwüst: Wirtsberg mit Aussichtspunkt (ca. 700 m ab Freilichtmuseum)
- Eubabrunn: Erlebnisspielplatz, Gewässererlebnispfad (5 km), Wanderung zum Hohen Stein und Kegelberg (Rundweg ca. 13 km)
- Wanderung zwischen Eubabrunn und Landwüst (ca. 7 km Wanderung, grüne Markierung, zum Teil auf dem Besinnungsweg)
Veranstaltungen 2025
- 29. März – 27. April Ostern im Museum, Sonderausstellung „Escape – Das geheime Museum“
- ab 18. Mai Sonderausstellung „Museum for Future“
- 10. Mai Tag der historischen Fortbewegungsmittel
- 30. Juni – 9. August Sommerferienprogramm
- 24. August Landtechniktag
- 5. Oktober Holztag
Gut zu wissen
- Im Freilichtmuseum Eubabrunn wird eine vogtländische Tracht aufbewahrt, die eine Frau während ihrer Zwangsumsiedlung in den 1950er Jahren in einem kleinen Koffer rettete.
- Europaweit sind Freilichtmuseen vernetzt und tauschen Erfahrungen aus – von Irland bis Lettland.
- Die Sammlung des Freilichtmuseums Landwüst begann einst auf dem Dachboden eines Bauern. Walter Wunderlich rettete historische Schätze der Dorfbewohner und legte damit den Grundstein für das heutige Museum.
- Das 1891 gegründete schwedische Freilichtmuseum Skansen in Stockholm, war der Ausgangspunkt für alle anderen europäischen Freilichtmuseen.
Standort Landwüst
Rohrbacher Straße 4
08258 Markneukirchen OT Landwüst
Standort Eubabrunn
Waldstraße 2A
08258 Markneukirchen OT Eubabrunn
Die Eintrittskarten gelten für beide Standorte.
So kommen Sie hin
Landwüst
Bus Landwüst, Wende (ab Markneukirchen, Busbahnhof, RufBus 32)
Eubabrunn
Bus Eubabrunn, Freilichtmuseum (ab Markneukirchen, Busbahnhof mit dem StadtBus 31)