4 Personen sitzen an einem Tisch

Verbundtarif Vogtland: Einheitlich unterwegs mit nur einem Ticket

Hinter den Kulissen

Ein Tarif für eine ganze Region

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, möchte sich möglichst wenig Gedanken über verschiedene Verkehrsunternehmen, Tarife oder Tickets machen. Genau dafür gibt es Verkehrsverbünde. Verkehrsverbünde sind Kooperationen mehrerer Verkehrsunternehmen und oft auch von Städten, Kreisen oder weiteren Aufgabenträgern einer Region. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: den öffentlichen Nahverkehr für Fahrgäste einfach, verlässlich und attraktiv zu gestalten. Für Fahrgäste bedeutet das: Auch wenn verschiedene Unternehmen Busse, Bahnen oder Züge betreiben, funktioniert der Nahverkehr wie aus einer Hand. Ein gemeinsamer Verbundtarif sorgt dafür, dass ein Ticket für die gesamte Fahrt gilt, unabhängig davon, welche Verkehrsmittel oder Unternehmen genutzt werden.

Zwischen Fahrgastwünschen und Kosten

Beim Verkehrsverbund Vogtland (VVV) ist die Abteilung Vertrieb und Tarif für den Verbundtarif zuständig. Geleitet wird die Abteilung von Ronja Köbsch. Die studierte Verkehrswirtschaftlerin entwickelt gemeinsam mit ihrem vierköpfigen Team den Verbundtarif weiter. „Wir sind für den kompletten Tarif verantwortlich, inklusive der Beförderungs- und Tarifbestimmungen und der Preisgestaltung im Verbundraum Vogtland“, erklärt Ronja Köbsch. „Vor allem die Weiterentwicklung des Ticketsortiments und die Preisgestaltung der einzelnen Ticketarten stellen uns immer wieder vor Herausforderungen.“ Dabei gilt es, die Interessen der Fahrgäste und der Verkehrsunternehmen gleichermaßen im Blick zu behalten. „Wir wollen den Tarif für den Fahrgast so einfach wie möglich gestalten, damit die Auswahl des richtigen Tickets für den beabsichtigten Fahrtweg möglichst leichtfällt und es erschwinglich bleibt. Gleichzeitig sehen wir die Kostenentwicklung bei den Verkehrsunternehmen und müssen über die Fahrpreise ausreichend Einnahmen sichern.“

In diesem Jahr kam der VVV um eine Tarifanpassung nicht herum. Die Erhöhung im August war nötig, weil Infrastruktur-, Kraftstoff- und Personalkosten gestiegen sind. Im sachsenweiten Vergleich bleibt der VVV dennoch günstig. Neu ist die überarbeitete Preisstaffelung der Tageskarte VVV: Jeder Mitfahrer zahlt einen festen Aufschlag (plus 5 Euro), wie beim EgroNet- oder Sachsenticket. Entfallen konnte die Abendkarte Stadtverkehrszone wegen geringer Nachfrage. „So sind wir einem übersichtlichen Tarif wieder ein Stückchen nähergekommen“, sagt Ronja Köbsch.

Was hinter einem Ticket steckt

Die eigentliche Herausforderung liegt bei der Aufteilung der Einnahmen. Kauft ein Fahrgast ein Ticket, stehen die Einnahmen dem Verkehrsunternehmen zu, das die Leistung erbracht hat. Das klingt simpel, bedarf aber einer übergeordneten Stelle, welche die Verrechnungen zwischen den im Vogtland tätigen Verkehrsunternehmen vornimmt. Bei diesem Prozess fließen alle Einnahmen in einen gemeinsamen Topf. Von dort werden sie nach einem festen Schlüssel, der die gefahrenen Kilometer der Verkehrsunternehmen und die Fahrgastzahlen berücksichtigt, verteilt. Dieser Schlüssel wird aktuell überarbeitet. Bis Dezember 2026 läuft dafür eine Verkehrserhebung im Vogtlandkreis. „Über jede Teilnahme an der Befragung sind wir sehr dankbar, denn nur auf Basis einer guten Datengrundlage können wir den neuen Einnahmeaufteilungsschlüssel sachgerecht bilden“, sagt Ronja Köbsch. 

Ein Dauerthema in der Abteilung ist auch das DeutschlandTicket. Für Fahrgäste ist der monatliche Festpreis ideal, um ohne Grübeln über Verbundgrenzen und sogar bundesweit unterwegs zu sein. Im Hintergrund läuft ein Rechenmarathon. Denn die 63 Euro* decken die Kosten nicht. Deshalb finanzieren Bund und Länder das Ticket zu gleichen Teilen mit.

Digital und einfach unterwegs

Der Trend im Vertrieb geht zu digitalen Angeboten. Im VVV stehen dafür mehrere Apps und die vcm+-Chipkarte bereit. „Hier sparen Nutzer bei Einzelfahrten bis zu 26 Prozent. Blickt man auf das gesamte Ticketsortiment, ist das DeutschlandTicket bei Vielfahrern die Nummer eins, bei Schülern das 

BildungsTicket“, berichtet Ronja Köbsch. Damit alle Ticketsorten und Zahlsysteme zuverlässig laufen, arbeitet das Team mit verschiedenen Dienstleistern zusammen.

So entwickelt sich das Tarifsystem Schritt für Schritt weiter – mit dem Ziel, den Tarif noch einfacher zu gestalten und Verbundgrenzen für die Fahrgäste weniger spürbar werden zu lassen.

* Änderungen ab Januar 2027 möglich

Zahlen & Fakten

  • Seit 17. Mai 1999 gibt es den heutigen Verbundtarif und die vcm+-Chipkarte
  • Ca. 20.000 vcm+-Chipkarten
  • 193 Tarifzonen
  • Ca. 8.000 Vogtländer nutzen ein Deutschlandticket

Was sind Tarifeinheiten?

Tarifeinheiten bestimmen den Fahrpreis im VVV. Sie richten sich nach der Strecke zwischen Start und Ziel und bilden die Preisstufen im Verbundtarif. Innerhalb einer Tarifzone wird eine Tarifeinheit berechnet. Ausnahme: Stadtverkehrszonen – hier gelten vier Tarifeinheiten.