
Ein Blick in die Einsatzzentrale des Plauener Omnibusbetriebs
Neues aus den Verkehrsunternehmen
5:10 Uhr, Dienstagmorgen. Das Telefon in der Einsatzleitung klingelt nicht einfach – es fordert sofortige Aufmerksamkeit. Ein Fahrer meldet sich krank. In zwanzig Minuten sollte sein Bus zur ersten Schülerfahrt hinausrollen. Für das Team in der Zentrale beginnt das Ad-hoc-Management unter Hochdruck. Der erste Anruf bei einem Springer geht ins Leere. Beim zweiten Versuch wird ein Kollege, der eigentlich später Dienst hätte, aus dem Bett geklingelt. Parallel läuft die Abstimmung mit den anderen Standorten. Um 5:30 Uhr sitzt der Ersatzfahrer im Bus. Die Schüler an der Haltestelle werden nie erfahren, was in den letzten Minuten im Hintergrund passiert ist. Und genau das ist das Ziel.
„Manchmal fühlt man sich hier wie eine Krake“, heißt es lachend aus dem Team, während der Blick über die Monitore wandert. Es gibt Momente, da jonglieren die Mitarbeiter mit vier Telefonhörern gleichzeitig, um sich mit Werkstatt, Fahrer, Verkehrsverbund und Polizei abzustimmen. Die Einsatzleitung ist die Schaltzentrale des Plauener Omnibusbetriebs (POB). Von den drei Standorten Plauen, Rodewisch und Reichenbach aus wird ein gewaltiges Räderwerk gesteuert. Es geht längst nicht mehr nur darum, Busse einzuteilen, sondern um eine Qualitätssicherung rund um die Uhr. Die Dimensionen sind gewaltig: Durchschnittlich 15.000 Kilometer legen die Busse täglich zurück. Jährlich vertrauen rund 3,5 Millionen Fahrgäste darauf, dass der Plan funktioniert. Zusätzlich müssen etwa 15.000 Rufbus-Fahrten im Jahr individuell koordiniert werden.
Während früher oft Bürger anriefen, wenn der Bus nicht kam, läuft es heute digital. Die Einsatzleitung ist die direkte Schnittstelle zum Verkehrsverbund Vogtland (VVV). Tritt eine Störung auf, landet die Information fast in Echtzeit auf dem Handy des Fahrgastes. Wenn Anschlüsse gefährdet sind oder Haltestellen entfallen, erstellt die Leitstelle unverzüglich einen sogenannten ICS-Eintrag. Das ist der direkte Draht in die Auskunftsmedien: Der Fahrgast sieht in der App „Verspätung“ oder „Ausfall“, ohne zum Hörer greifen zu müssen.
Der Alltag pendelt ständig zwischen Routine und Alarm. Ein Unfall auf der B173, gleichzeitig meldet die Werkstatt ein reparaturbedürftiges Fahrzeug und die Störungskoordination eine neue Baustelle. Jetzt greifen die W-Fragen: Was? Wo? Wer? In solchen Momenten gelten eiserne Prioritäten: die Sicherheit für Fahrgäste und Personal geht immer vor. Danach muss das Grundangebot, besonders der Schülerverkehr, stehen. Erst dann kümmert man sich um die Rettung von Anschlüssen. Das Team nennt es schmunzelnd „Tetris für Fortgeschrittene“ – nur dass sich die Bausteine bewegen und manchmal einen platten Reifen haben.
Dass der Job mehr ist als Fahrpläne schieben, zeigt sich in Extremsituationen. Unvergessen sind Momente wie die Evakuierung eines Hotels wegen Brandstiftung. Während Einsatzkräfte vor Ort die Lage sicherten, übernahmen Busse des POB den Transport der Betroffenen und brachten sie in Sicherheit. Und wenn die Grippewelle so stark ist, dass wirklich kein Fahrer mehr übrig ist? „Dann macht sich auch mal jemand aus der Einsatzleitung startklar und setzt sich selbst ans Steuer“, verrät Ines Riepl, Disponentin und Chefin der Einsatzleitung.
Was der Fahrgast am Ende sieht, ist nur das Ergebnis: Der Bus kommt, vielleicht fünf Minuten später. Was verborgen bleibt, sind die hektischen Telefonate, die Umplanung von zwei anderen Linien und die Abstimmung mit dem VVV. In Störungssituationen wünscht sich das Team daher manchmal einfach etwas Geduld, denn während man an der Haltestelle wartet, arbeitet im Hintergrund ein ganzes Team auf Hochtouren daran, dass alle Busse pünktlich unterwegs sind.
Voraussetzung für eine Tätigkeit in der Einsatzleitung:
• Erfahrung in der Disposition
• Erfahrung und Umgang mit gängigen PC-Anwendungen, vor allem Microsoft Office
• Teamfähigkeit, rasche Auffassungsgabe, Initiative und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung sowie selbstständige Arbeitsweise
• sehr gute organisatorische Fähigkeiten und gutes Zeitmanagement sowie Kommunikationsstärke
• Interesse und Freude am ÖPNV
• Führerschein Klasse B
Plauener Omnibusbetrieb GmbH (POB)
Friedrich-Eckardt-Straße 3 . 08529 Plauen
Standorte: Plauen, Rodewisch und Reichenbach
Mitarbeiter: 210, davon 10 in der Einsatzleitung
Fahrzeuge: 116
Leistung im Vogtlandnetz:
Fahrkilometer im Jahr
6,5 Mio. km inkl. Schulbusse
160.000 km RufBus-Fahrten
Fahrgäste: 3,5 Mio. im Jahr