Zwei Arbeiter in orangefarbener Schutzkleidung stehen an einer Bushaltestelle mit Infotafel und Servicefahrzeugen im Hintergrund.
© Verkehrsverbund Vogtland

Hinter den Kulissen

Ein Blick in die Arbeit der Haltestellenwarte

Hast du dich schon mal gefragt, wer sich um die Haltestellenschilder und Fahrplanaushänge kümmert? Wer sorgt dafür, dass an den Haltestellen alles reibungslos abläuft? Genau darum kümmern sich vier Haltestellenwarte im VVV: Sie betreuen 1.910 Haltestellen im gesamten Vogtlandkreis. Sie halten diese sauber, sicher und die Informationen auf dem neuesten Stand.

Jeden Morgen sichtet Haltestellenwart Thomas Mühlmann das zentrale Baustellenpostfach. Straßenverkehrsbehörden, Ordnungsämter und Baulastträger aus dem ganzen Landkreis schicken ihre Meldungen: gesperrte Straßen, nicht mehr erreichbare Haltestellen, Umleitungen. In enger Zusammenarbeit mit den Verkehrsplanern werden Umleitungen geplant und Umfahrungen entworfen. Als ausgebildeter Verkehrsmeister prüft Thomas Mühlman vor Ort geplante Umleitungsstrecken, Linienführungen und kurzfristige Störungen und steht dabei in ständigem Austausch mit den Verkehrsplanern.

„Erst vor Ort sehe ich, wie breit eine Straße trotz Baumaßnahme tatsächlich noch ist“, sagt er. „Ob ein Bus durchkommt. Ob die Wendestelle ausreicht. Das lässt sich am Schreibtisch nicht beurteilen.“

Thomas Mühlmann ist Teamleiter der Haltestellenwarte. Sein Kollege Robby Henning arbeitet an seiner Seite und übernimmt Arbeiten an den Haltestellenschildern, richtet Ersatzhaltestellen ein und kümmert sich um aktuelle Aushangfahrpläne. Zwei weitere Kollegen sind ebenfalls im Außeneinsatz. 

Vom Handwerk zu den Haltestellen

Thomas Mühlmann und Robby Henning kommen aus dem Handwerk. Wer sie fragt, ob sie sich als junge Männer vorgestellt hätten, eines Tages Haltestellenwart zu sein, erntet ein Lachen und Kopfschütteln. Eindeutig nein. Und trotzdem passen sie perfekt in diesen Job. Sie haben handwerkliches Geschick, Ortskenntnis und den Blick für das, was draußen wirklich los ist. Beide kennen jede Straße im Vogtland. Jede Kurve, jeden Engpass, jeden Wendehammer. Dieses Wissen ist nicht dokumentiert. Es sitzt im Kopf, gewachsen über Jahre und tausende Kilometer.

Im Jahr 2018 übernahm der VVV die Haltestellen von den einzelnen Verkehrsbetrieben. Einheitlich sollte alles werden: gleiche Optik, gleiche Qualität. In den fünf Jahren danach erneuerte das Team zusätzlich zum laufenden Tagesgeschäft alle 1.910 Haltestellen im Verbundgebiet.   

Das rollende Büro

Die Dienstfahrzeuge sehen von außen unscheinbar aus. Innen stecken Material, Werkzeuge und sogar ein kleines Büro. Mit dabei ist u. a. ein A3-Laserdrucker. Fahrplanänderungen, Baustellenaushänge, kurzfristige Umleitungshinweise – alles lässt sich direkt vor Ort drucken und aushängen. Bei einem Einsatzgebiet von Bad Brambach bis Reichenbach ist das kein Luxus, sondern schlichte Notwendigkeit.

Die Haltestelle, die spazieren ging

Jeder im Team hat schon die kuriosesten Geschichten erlebt. Bei Thomas Mühlmann ist es die verschwundene Haltestelle aus Lengenfeld.

In der Innenstadt von Lengenfeld wurde aufgrund einer Baustelle eine Ersatzhaltestelle aufgestellt – alles ordnungsgemäß. Dann frühmorgens der Anruf: Das Haltestellenschild ist weg. Thomas Mühlmann fährt hin und stellt Ersatz auf. Anderthalb Stunden später meldet sich die Stadt Auerbach: Das ursprüngliche Schild ist kilometerweit entfernt im Auerbacher Neubaugebiet, im Gebüsch aufgetaucht, inklusive der schweren Standfüße.

„Das sind Momente, wo man sprachlos zurückbleibt und sich fragt, was in den Menschen vorgeht“, sagt Thomas Mühlmann.

Der Kampf gegen Vandalismus

Rund ein Viertel der Arbeitszeit entfällt auf die Beseitigung von Vandalismusschäden – vor allem auf das Entfernen von Aufklebern und Graffitis, aber auch mutwillige Zerstörung, Diebstahl oder Unfallschäden stehen auf der Tagesordnung. Das Stadt-Land-Gefälle ist dabei spürbar: In kleineren Ortschaften passen Anwohner eher auf, melden Schäden, greifen manchmal selbst ein. In den Städten ist die Anonymität größer und Vandalismus tritt häufiger auf. Für die vier Haltestellenwarte ist das eine Daueraufgabe.

Wenn niemand fragt

Am Ende eines langen Tages gibt es für Thomas Mühlmann und Robby Henning einen Moment, der sich wie Erfolg anfühlt. Nicht wenn jemand anruft und sich bedankt. Sondern wenn gar nichts passiert. Wenn eine große Umleitung anläuft, alle Busse rollen, kein Fahrgast ratlos am falschen Ort steht.

„Wenn alle ihren Weg finden. Wenn niemand ein Fragezeichen im Gesicht hat“, resümiert Thomas Mühlmann. „Dann haben wir unseren Job gut gemacht. Dann bin ich zufrieden.“

„Wer das nächste Mal einsteigt, den Fahrplan checkt, die Haltestelle findet ohne nachzudenken – der hat gerade von der Arbeit der Haltestellenwarte profitiert.“

In Zahlen

  • 2 Vollzeitkräfte, 2 Teilzeitkräfte im Außeneinsatz

  • zuständig für 1.910 Haltestellenschilder im Verbundgebiet zwischen Bad Brambach und Reichenbach, zwischen Mühltroff und Rothenkirchen  (ohne die Haltestellen der Plauener Straßenbahn)

  • ca. 5.000 neue Fahrplanaushänge im Jahr 

  • ca. 300 Baustellen im Jahr

Schau nicht weg. Nein zu Vandalismus. 

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass die Haltestellen lange schön und funktional bleiben. So sparen wir Kosten, die sinnvoller in den ÖPNV investiert werden können.

vogtlandauskunft.de/schaunichtweg