
Stau, Stress und Stoßstangen-Tetris
Kolumne
Kennen Sie die gefährlichste Zone in den Städten und Dörfern? Nein, es ist nicht die dunkle Gasse hinter dem Bahnhof. Es ist der Vorplatz vieler Schulen, morgens um 7:30 Uhr.
Wer schulpflichtige Kinder hat, kennt das Ritual: Eine Blechlawine wälzt sich durch die engen Zufahrtsstraßen. Es herrscht unstrukturiertes Chaos. SUVs und Kleinwagen spielen eine Runde „Stoßstangen-Tetris“. Es wird in zweiter Reihe geparkt, die Warnblinkanlage als universeller Freifahrtschein für „Ich muss nur mal eben kurz…“. Dazwischen wuseln Kinder, die zwischen den Fahrzeugen die Straße überqueren müssen.
Ganz ehrlich? Es grenzt an ein Wunder, dass bisher nicht mehr passiert ist. Die Schulen appellieren, aber das „Elterntaxi“ rollt weiter. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe selbst Kinder. Ich kenne den morgendlichen Kampf gegen die Uhr. Wenn die morgendliche Routine wieder einmal seinen Lauf nimmt und einem die Zeit im Nacken sitzt, dann gerät man schnell unter Druck.
Die Versuchung, das Kind bis vor das Schultor zu fahren, ist riesig. Aber denken wir auch an die Busfahrer. Für sie ist die Zone vor der Schule ein Minenfeld. Sie müssen einen 12-Meter-Koloss durch ein Nadelöhr manövrieren, während Kinder vor und hinter dem Bus über die Straße rennen. Deshalb mein Appell – und ja, es darf auch ein kleiner Rat sein: Liebe Eltern, fassen wir uns an die eigene Nase.
Wir tun unseren Kindern keinen Gefallen, wenn wir sie in Watte packen und bis vor das Tor chauffieren. Setzen wir sie ein paar Straßen weiter ab! Wenn der Kopf noch Zeit zum „Auslüften“ hat, kommen die Kinder entspannter an als nach einer hektischen Autofahrt. Oder noch besser: Trauen wir ihnen den ÖPNV zu.
Ich weiß, das ist leicht gesagt. Ich übe das gerade selbst. Und ich bin ehrlich: Mit dem Auto brauchen wir 20 Minuten zur Schule, mit Bus und Bahn dauert es länger. Aber ist es das wert? Ja! Denn Kinder, die Bus und Bahn fahren, lernen Selbstständigkeit und Orientierung. Dinge, die kein Elterntaxi vermitteln kann.
Lassen wir das Auto also mal stehen oder zumindest ein paar Ecken weiter weg. Für die Sicherheit und Selbstständigkeit unserer Kinder.